Gemütliches Miteinander          


 
#1

Biographie

in Biographie 03.03.2012 15:37
von Andrea • Administratorin | 613 Beiträge | 2095 Punkte

Mit Beharrlichkeit zum Ziel

Als am 14.Januar des Jahres 1950 Hanne Haller im norddeutschen Rendsburg zur Welt kommt, scheint ihr ihre Bestimmung aus heutiger Sicht bereits in die Wiege gelegt zu sein. Der Beruf ihrer Mutter (Opernsängerin)  bürgt dafür, dass sie frühzeitig mit Musik in Berührung kommt, selbst wenn es nicht unbedingt die klassische ist. Und dass der Vater Bankkaufmann war, dürfte für jemanden, der sich nicht fremdbestimmen lassen will, auch nicht unbedingt ein Nachteil sein. Doch zunächst bedeutet für Hanne Musik die pure Freude, anfangs denkt sie nicht wirklich ernsthaft daran, aus diesem Hobby einen Beruf zu machen.

Als 15-Jährige Schülerin in den „Swinging Sixties“ bessert sie in der Band „The Rooks“ was übersetzt soviel wie „Die Nebelkrähen“ bedeutet, ihr Taschengeld auf. Die 15 Jährige und vier Jungs spielen in Ronnenberg bei Hannover für 50 Mark pro Abend – die blonde Hanne bearbeitet dabei ebenso leidenschaftlich wie rhythmusversiert das Schlagzeug. Nach dem Schulabschluss beginnt Hanne ein Sportstudium, muss es aber wegen einer Erkrankung nach zwei Semestern abbrechen. Sie entscheidet sich für eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin, gründet ganz nebenher einen Gospelchor, arbeitet ein Jahr in der Forschung des Strahlen - Biochemischen Labors der Göttinger Uni und produziert mit dem Erfolgskomponisten Hans-Georg Moslener (der später unter anderem für Jonny Hill das berühmte „Ruf Teddybär 1-4“arrangierte) ihre erste Single.
Wir schreiben das Jahr 1970 und die 20-jährige Hanne Haller singt über den „Frühling in Vietnam“. 16.000 verkaufte Singles sind für eine Blitzkarriere allerdings nicht ausreichend. Statt aufzugeben, setzt Hanne Haller auf „Weiterbildung“: Zwar kann sie (bis heute) keine Noten lesen, bringt sich aber trotzdem das Klavierspielen bei. Ihr erstes Album, dass sie für die Plattenfirma BASF einsingt, wird nie veröffentlicht – die Firma geht im entscheidenden Moment in Konkurs. Dabei hätte „Applaus für Hanne“ eine Lücke schließen sollen, welche die kurz vorher tödlich verunglückte Alexandra hinterlassen hatte. So hingegen nimmt in München, wohin sie 1972 zieht, zunächst niemand Notiz von ihr und ihrer Musik, sie finanziert sich durch Aushilfsarbeiten dennoch eine Ausbildung als Tonmeisterin.


Karl Gott verhilft zum Durchbruch
Eiserner Wille, Disziplin und Lebensmut – das sind schon in jungen Jahren die charakterlichen Eigenschaften der Hanne Haller. Sie komponiert viel in diesen 70er  Jahren, doch von einer Frau will in jener Zeit niemand Lieder kaufen. Also legt sie sich das Pseudonym „Hansi Echer“ zu, und siehe da: Es klappt. 1978 singt Karel Gott, als „Die goldene Stimme aus Prag“ gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere, Hannes Song „Wohin der Wind die Blätter weht“. Hanne ist 28 Jahre alt und zum ersten Mal sieht sie mehr als nur einen kleinen Silberstreif am Horizont. Sie hat sich selbst und der deutschen Musikbranche bewiesen, dass sie es kann – nun wird sie niemand mehr aufhalten.
Deutschlandweit wird man 1979 auf Hanne Haller aufmerksam. „Deckel auf, Deckel zu“ heißt einer der in diesem Jahr veröffentlichten Titel, der Hanne nicht nur Sendezeit in den Radiostationen beschert, sondern auch ihr erstes „Markenzeichen“  wird: Da kommt eine  die mehr kann, als nur drei Akkorde spielen - und Herz auf Schmerz zu reimen – Hanne Haller hat Witz, kann texten, schreibt eingängige Melodien und hat auch noch das gewisse Etwas in der Stimme. Qualität und Schlagermusik – dank ihr darf man diese Begriffe auch kritischen Geistern gegenüber zusammen in einem Satz nennen.


Charme und Zurückhaltung
Hanne lernt Bernd Meinunger, einen der wohl bekanntesten deutschen Liedtexter, kennen und er schreibt ihr 1981 den Titel „Samstagabend“ auf den Leib. Mittlerweile ist die Niedersächsin 31 Jahre alt. Jetzt hat sie es endgültig geschafft. Sie wird als Sängerin ebenso akzeptiert wie als Komponistin, wird von anderen Größen der Branche als ausgezeichnete Produzentin hoch gehandelt. Einziges Manko: Hanne ist nach wie vor ein eher zurückhaltender Mensch. Zwar absolviert sie ab 1982 zahlreiche Fernsehauftritte mit charmanter Professionalität, doch viel Aufhebens um ihre Person zu machen, ist ihre Sache nicht.
Sie erhält 1983 den „Deutschen Schallplattenpreis“ der Phonoindustrie für ihr Album „Augenblicke“, sie schreibt für Wolfgang Fierek den unvergesslichen Wiesen-Hit „Resi, i hol di mit`m Traktor ab“, sie produziert die Gruppe „Wind“, die beim Grand Prix d`Eurovision de la Chanson für Deutschland einen hervorragenden zweiten Platz belegt, sie heimst goldene Schallplatten ein und schreibt und singt 1989 mit „Mein lieber Mann“ den absoluten Sommerhit, ist mit „Willkommen in Leben“ für zwölf Wochen in den deutschen Verkaufscharts vertreten, komponiert nebenbei das Lied für die Fernsehlotterie der ARD, triumphiert in der ZDF Hitparade, und weigert sich trotz alledem, live aufzutreten! Immer noch scheut Hanne Haller die Öffentlichkeit, immer noch ist es für sie unendlich schwer, ihre angeborene Zurückhaltung abzulegen.
Ihre Fans schwärmen vom magischen Zauber ihrer Stimme, von der berückenden Zärtlichkeit, die ihre Lieder vermitteln, doch kein Konzertsaal erlebt die blonde Frau, die mittlerweile am Tegernsee ihr Zuhause gefunden hat, leibhaftig. Denn die großen Gesten passen nicht zu ihr, Hanne Haller bleibt auch in diesen ungemein erfolgreichen 90er Jahren stets sie selbst. Erdverbunden, zurückhaltend und…kreativ.
Daliah Lavi, Katja Ebstein, Shari Belafonte, Rex Gildo, Lena Valaitis, Catarina Valente, Johannes Heesters, Amanda Lear, Dalida, Jürgen Drews, Wolfgang Fierek, Ingrid Peters, Milva und viele andere wissen im wahrsten Sinn des Wortes ein Lied davon zu singen. Für die Feier einer Goldenen Hochzeit im engsten Familienkreis schrieb Hanne im Jahr 1992 eigens ein wunderschönes Lied, ohne zu ahnen, dass sie mit diesem Titel endgültig in den Olymp der deutschen Musik aufsteigen würde: „Du bist einmalig“ kommt der Plattenfirma mehr oder weniger zufällig zu Ohren. Man überredet sie, den Song aufzunehmen, und tatsächlich erreicht das Lied schon wenige Wochen nach seiner Veröffentlichung regelrechten Kultstatus: Ob Jung oder Alt, ob Akademiker oder Hausfrau – der Titel wird landauf, landab mitgesungen, geträllert, gepfiffen und gesungen:
Hanne Haller hat sich im Alter von 42 Jahren ein eigenes Denkmal gesetzt.


Endlich Live
Aber mit Denkmälern ist das ja bekanntlich so eine Sache: Stehen sie zu lange unbeweglich herum, dann setzen sie Patina an und jemand malt ihnen eine rote Nase. Also tut Hanne Haller weiterhin das, was sie am besten kann: Sie komponiert, textet, arrangiert und produziert – veröffentlicht 1993 das Album „Immer mittendrin“ und sechs Jahre später die eher rockige Titelsammlung „Ungeschminkt“. Was kaum jemand weiß: Hanne verheimlicht in diesen Jahren eine schwere Erkrankung vor den Fans. So wie sie die Öffentlichkeit nicht mit ihren Triumphen und Erfolgen beeindrucken möchte, so will sie auch ihren Kampf gegen die Krankheit im Verborgenen ausfechten – ausgestattet mit einer riesigen Portion Willenskraft und der Erfahrung, dass kämpfen sich immer lohnt.
Titel wie „Ich halte durch“ und „Ich kann ziemlich viel vertragen“ mögen als markante Beispiele für Hannes Einstellung in dieser Zeit stehen. Sie überwindet die Krankheit und – vielleicht als Folge dieses persönlichen Triumphes – lässt sich im Jahre 2001 zu etwas bisher undenkbarem überreden: Zu einem Live-Konzert. Am 2.Februar 2003 ist es so weit – Hanne Haller singt vor 1200 Zuschauern in einer restlos ausverkauften Halle. Niemand kann ermessen, wie viel Überwindung dies gekostet haben muss, wie viel Anspannung vor diesem Konzert herrschte und wie viel unendliche Erleichterung nach dem euphorischen Beifall der Fans.
Tatsache ist, dass Hanne Haller als über 50-Jährige offensichtlich doch noch auf den Geschmack gekommen ist. Im Jahr 2004 startet sie eine Konzerttournee durch acht deutsche Städte und wird von ihren Fans buchstäblich auf Händen getragen und mit Rosen überschüttet. Hanne Haller hat in den vergangenen drei Jahrzehnten bewiesen, dass Schlagermusik nicht seicht sein muss, dass sich Professionalität und Emotion nicht widersprechen müssen. Einer ihrer Titel heißt: „Du bist einmalig“. Der könnte für Hanne Haller selbst geschrieben sein.


Hanne Haller verstirbt  nach langer und schwerer Krankheit am 15. November 2005.



Copyright A. Baron


Meine geschriebenen Artikel, wie auch meine Antworten zu medizinischen Fragen,
stellen nur meine persönlichen laienhaften Meinungen und Erfahrungen dar, und sind
nicht als medizinischer Indikator zu sehen. Medizinische Beratungen, wie auch
medizinische Ratschläge wird es hier nicht geben, dafür frage bitte deinen Arzt.
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#2

RE: Biographie

in Biographie 04.03.2012 01:23
von Dex1988 • Mitglied | 59 Beiträge | 59 Punkte

Hallo Marion, eine schöne Biographie hast du da zusammen gestellt ;)

Jetzt möchte ich aber mal eine Sache verbessern *g*
das ist etwas das mir schon oft aufgefallen ist aber wenig bekannt... *g*

Das erste Album das auf BASF erschienen ist heißt nicht "Applaus für Hanne Haller" sondern "Komm, laß uns miteinader reden" und wurde 1976 gepresst.
Diese erste LP ist sogar auf dem Markt erschienen, konnte jedeoch nicht groß vermarktet werden weil die Plattenfirma leider Pleite ging, darum wusste niemand damals das es diese Schallplatte gab...

Das Album wurde im übrigen von Fred Weyrich Produziert mit dem Hanne später auch noch lange befreundet gewesen war...
Fred Weyrich war ebenfalls der Produzent der 3 Alben von Alexandra, darum ist beim hören auch eine deutliche ähnlichkeit zu erkennen...

Die Schallplatte "Applaus für Hanne Haller" hat zwar die selben Lieder wie die vom Lable BASF veröffentlichte aber diese wurde von dem Plattenlable MARIFON veröffentlicht und zwar als Sammel-Serie mit diversen Künsterln wie z.b. Peter Alexander, Rex Gildo, Adamo, Gitte und einige andere...
Alle diese Schallplatten heißen alle "Applaus für ****** (und dann den jeweiligen Künstlernamen). Die Cover der LP´s ist auch immer gleich lediglich ist immer das Bild des Künsterls eingesetzt worden...
Diese Serie wurde 1981 veröffentlicht und anzunehmen dass man die Lieder des unbekannten Albums "Komm lass uns miteinander reden" dafür ausgesucht hat war wohl das Hanne Haller 1981 mit dem Lied "Samstagabend" ihren durchbruch hatte aber nur bis dahin 2 erfolgreiche Studio Alben (Na und... / Stärker als ich) veröffentlicht hatte und man daher nach älterm Material suchte und es auch fand.


Die erste Single von Hanne Haller hieß "Wir sind nur eine Minderheit" mit der B-Seite "Brodway" diese Christlichen Kirchenlieder waren die aller erste Single die im Februar 1972 erschien... im selben Jahr erschien die Single "An einem heißen Sommertag" mit der B-Seite "Frühling in Vietnam". Ich vermute das der eher anspruchsvoller Text des Chansons "Frühling in Vietnam" dazu führt das man sagt es war ihre erste Single, allerdings ist es ja die B-Seite der ersten Single. Die A-Seite und damit quasi das Lied das eigentlich zum Hit werden sollte wäre damit "An einem heißen Sommertag".

Ich finde im nachhin betrachtet es sogar sehr schön das "Frühling in Vietnam" die zweite und nich die erste Single ist... da die erste eine Christliche Kirchenmusik Schallplatte war mit der sie ja wenn man es gaaanz genau nimmt ihre Karrie begonnen hat und das letzte was sie veröffentlichte ein ganzes Album mit Christlicher Musik war, ist ihre Karrie quasi ein geschlossener Kreis in sich... mit höhen und tiefen Hits und Flops, aber am Ende passt alles wunderbar zusammen und Hanne Haller hinterlässt ein in sich geschlossenes Musikalisches vermächtnis... es hat was von Poesie....

Ich hoffe diese Info ist für euch interessant

Liebe Grüße
Dex


***Mehr Frühlingsgrün, mehr Winterglanz, mehr Zaubermond und Sternentanz, etwas mehr blau... etwas mehr blau***

zuletzt bearbeitet 04.03.2012 01:37 | nach oben springen

#3

RE: Biographie

in Biographie 04.03.2012 11:14
von Herbstbube • Mitglied | 523 Beiträge | 534 Punkte

Lieber Dex und liebe Andrea,

vielen Dank für deine Ergänzungen.

Das erste von Hanne Haller veröffentliche Album heißt tatsächlich „Komm, lass uns miteinander reden“.
Diese LP wurde bereits 1971 aufgenommen aber, wegen Konkurs der Plattenfirma, erst 1976 (BASF 228 924) veröffentlicht.

Im Jahr 1981 (MARIFON 47979) wird das Album dann unter dem Titel „Applaus für Hanne Haller“ wiederveröffentlicht.
Ich denke, jetzt ist es ganz korrekt.

Liebe Andrea,
deine Aufarbeitung der Biografie gefällt mir.

Beste Grüße
Gast1


P.S.: "Marion" heißt Andrea, so viel Zeit muss sein...


zuletzt bearbeitet 04.03.2012 11:24 | nach oben springen

#4

RE: Biographie

in Biographie 08.03.2012 09:19
von Andrea • Administratorin | 613 Beiträge | 2095 Punkte

Lieber Dex, lieber Roland,

ich danke euch, nun bin ich wieder ein bisschen schlauer,
und ändere es bei Gelegenheit.

Liebe Grüße Andrea


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